Fünf Partien in Seoul, eine Million Dollar Preisgeld, geschätzt zweihundert
Millionen Zuschauer weltweit. Lee Sedol, seit einem Jahrzehnt einer der besten
Spieler der Welt, hatte vorab mit 5:0 oder 4:1 für sich gerechnet.
Zug 37, Partie zwei: AlphaGo setzt eine Schulterberührung auf der fünften
Linie — einen Zug, den nach damaliger Lehre kein Profi spielt. Die Kommentatoren
halten ihn zuerst für einen Fehler, Lee verlässt sichtlich irritiert den Raum.
Der Zug entscheidet die Partie. Die vom System selbst geschätzte
Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch ihn gespielt hätte: etwa eins zu zehntausend.
Zug 78, Partie vier: Lee antwortet mit einem Keil zwischen die weißen
Steine, der in Korea seither „der göttliche Zug“ heißt. AlphaGos Bewertung bricht
danach zusammen, es spielt mehrere schwache Züge und verliert. Es bleibt die
einzige Partie, die ein Mensch in offizieller Wertung gegen diese
Programmlinie gewinnt.
Warum es zähltNicht der Sieg ist die Nachricht, sondern
Zug 37: Das System hat nicht menschliches Spiel perfektioniert, es hat etwas
gefunden, das Menschen in 2.500 Jahren übersehen hatten. Und Zug 78 zeigt die
Kehrseite — verlässt man den Bereich, für den trainiert wurde, kann die
Einschätzung schlagartig unbrauchbar werden. Beides gilt für heutige Modelle
unverändert.