KI-Geschichte · Stand August 2026

Von Turing bis Transformer

Von Gauß’ kleinsten Quadraten bis zum Sprachmodell: zwei Eiszeiten, vier Durchbrüche und ein Rechentrick, der plötzlich alles verändert hat. Zum Mitscrollen, mit fünf Stationen zum Selberausprobieren.

1805 → heute 5 interaktive Demos Quellen verlinkt
Erwartung und Fördergeld über die Zeit — schematisch, nicht gemessen. Die kalten Bänder sind die beiden „KI-Winter“: Phasen, in denen Geldgeber das Thema fallen ließen, weil die Versprechen der Vorjahre nicht eingelöst wurden. Der Verlauf ist der rote Faden dieser Seite.

Erst mal sortieren: KI, ML, Deep Learning, LLM

Die vier Begriffe werden ständig synonym benutzt. Sie sind aber ineinander verschachtelt — jeder innere Ring ist ein Spezialfall des äußeren. Klick dich durch.

Und wie lernt so ein Modell?

Vier Grundformen. Der Unterschied liegt nicht im Algorithmus, sondern darin, woher das Feedback kommt.

Supervised

Überwachtes Lernen

Jede Zeile hat eine richtige Antwort dabei. Das Modell rät, vergleicht, korrigiert sich — millionenfach. Die Etiketten muss vorher jemand vergeben haben.

Beispiel: 200.000 Verträge, jeder markiert „gekündigt / nicht gekündigt“ → Stornoprognose.

Unsupervised

Unüberwachtes Lernen

Keine Antworten, nur Daten. Das Modell sucht Struktur: Gruppen, Ausreißer, wiederkehrende Muster. Was die Gruppen bedeuten, muss der Mensch hinterher deuten.

Beispiel: Kundensegmente, die niemand vorher definiert hat.

Reinforcement

Verstärkendes Lernen

Kein Etikett, sondern eine Belohnung — oft erst ganz am Ende. Das Modell probiert, bekommt Punkte, probiert wieder. Genau so hat AlphaGo gelernt.

Beispiel: Partie gewonnen = +1. Welcher der 200 Züge war schuld? Das ist die Kunst.

Self-supervised

Selbstüberwachtes Lernen

Der Trick hinter den LLMs: Die Etiketten stecken schon im Text. Verdecke das nächste Wort — fertig ist die Aufgabe mit richtiger Antwort. Beliebig oft, ohne einen einzigen Menschen.

Deshalb skaliert es: das halbe Internet ist plötzlich Trainingsmaterial.

Station 2 / 5

Mit Etikett oder ohne — derselbe Datensatz, zwei Welten

80 Tiere, für den Rechner nur zwei Zahlen pro Zeile: Gewicht und Schulterhöhe. Was daraus wird, hängt allein davon ab, ob jemand „Katze“ und „Hund“ drangeschrieben hat.

Die Mathematik ist älter als der Computer

Bevor es die Zeitleiste losgeht, ein Schritt zurück — und zwar um 150 Jahre. Das Verfahren, mit dem heute ein Sprachmodell trainiert wird, ist im Kern dasselbe, das ein 24-Jähriger 1801 benutzt hat, um einen verlorenen Planeten wiederzufinden.

1. Januar 1801

Ein Planet verschwindet

Giuseppe Piazzi entdeckt in Palermo den Kleinplaneten Ceres. Er verfolgt ihn 41 Tage lang über einen winzigen Himmelsausschnitt — dann zieht Ceres hinter die Sonne und ist weg. Niemand weiß, wo er wieder auftauchen wird.

Herbst 1801

Gauß rechnet

Carl Friedrich Gauß, 24 Jahre alt, nimmt die paar Messpunkte und sucht die Bahn, bei der die Summe der quadrierten Abweichungen zu den Beobachtungen am kleinsten ist. Dann sagt er vorher, wo Ceres im Dezember stehen wird.

7. Dezember 1801

Ceres steht da, wo Gauß sagt

Franz Xaver von Zach findet ihn nahe der vorhergesagten Stelle wieder. Veröffentlicht wird die Methode der kleinsten Quadrate 1805 von Legendre und 1809 von Gauß — der behauptet, sie schon seit 1795 zu benutzen. Der Prioritätsstreit hält bis heute an.

Was hier passiert, ist wörtlich das, was wir heute überwachtes Lernen nennen: Daten rein, Parameter so lange verstellen, bis der Fehler minimal ist, dann eine Aussage über einen Fall treffen, den man nie gemessen hat. Nur hieß es damals Ausgleichsrechnung.

Station 1 / 5

Warum „kleinste Quadrate“ wörtlich zu nehmen ist

Zehn Messpunkte, eine Gerade. Der Fehler jedes Punktes wird als Quadrat gezeichnet — die Fläche ist das, was minimiert wird. Dreh die Gerade und schau der Zahl beim Fallen zu.

Summe der Fehlerquadrate
Abstand zum Minimum
Vorhersage für Messung 14

Und von da sind es nur zwei Schritte

Erster Schritt: Man hängt hinter die Summe eine S-Kurve, die jede Zahl auf einen Wert zwischen 0 und 1 zusammenquetscht. Aus „wie viel“ wird „wie wahrscheinlich“ — das ist die logistische Regression, seit den 1940er Jahren in Gebrauch und bis heute das Arbeitspferd im Kreditscoring, in der Epidemiologie und in der Tarifkalkulation. Zweiter Schritt: Man stapelt sehr viele davon.

Ein Neuron ist eine logistische Regression

Eingänge mal Gewicht, aufsummiert, Schwellenwert dazu, durch die S-Kurve — fertig. Mehr steckt in einer einzelnen Recheneinheit nicht drin.

x₁ Gewicht × w₁ x₂ Höhe × w₂ x₃ Felllänge × w₃ Σ Summe + b S-Kurve σ 0,54 = Hund Eingabe gewichtete Summe Quetschen auf 0–1 Wahrscheinlichkeit
Das ist der gesamte Baustein. Was ein Netz mächtig macht, ist nicht die einzelne Einheit, sondern dass die mittleren Schichten Zwischengrößen erfinden dürfen, die niemand vorgegeben hat — bei Bildern etwa erst Kanten, dann Formen, dann Gesichter.

Damit ist der Bogen gespannt: Backpropagation von 1986 ist nichts anderes als Gauß’ Idee, angewandt auf einen solchen Stapel — Fehler messen, ausrechnen, welche Stellschraube wie stark schuld war, ein Stück nachjustieren, von vorn. Bei Gauß waren es sechs Bahnparameter. Bei Claude sind es einige hundert Milliarden.

Die Zeitleiste

Jeder Eintrag lässt sich aufklappen. Die Schiene links wird kalt, wenn das Geld ausbleibt.

1943 — 1973

Gründung und erste Euphorie

Eine Handvoll Leute erfindet ein Forschungsfeld, gibt ihm einen Namen — und verschätzt sich beim Zeitplan um mehrere Jahrzehnte.

  • 1943Das künstliche Neuron auf dem Papier

    Warren McCulloch (Neurologe) und Walter Pitts (Logiker) beschreiben eine Nervenzelle als simplen Schalter: Sie summiert ihre Eingänge, und wenn die Summe eine Schwelle überschreitet, feuert sie. Mehr nicht.

    Warum es zähltDas ist bis heute die Recheneinheit in jedem neuronalen Netz. Ein GPT-Modell besteht aus Milliarden dieser Schalter — die Idee ist über 80 Jahre alt, es fehlte nur die Rechenleistung.
  • 1950Turing stellt die Frage falsch — mit Absicht

    Alan Turing eröffnet seinen Aufsatz „Computing Machinery and Intelligence“ mit „Können Maschinen denken?“ — und erklärt die Frage sofort für unbrauchbar, weil niemand „denken“ definieren kann. Sein Ersatz: das Imitationsspiel. Wenn ein Mensch im schriftlichen Dialog nicht unterscheiden kann, ob er mit Mensch oder Maschine schreibt, sollen wir aufhören zu streiten.

    Warum es zähltTuring verschiebt das Kriterium von „was ist im Inneren?“ auf „was kommt heraus?“. Genau diese Verschiebung diskutieren wir bei LLMs heute wieder — nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
  • 1956Der Begriff wird erfunden: Dartmouth

    John McCarthy braucht 1955 einen Titel für einen Förderantrag an die Rockefeller Foundation. Er will sich von der damals dominierenden „Kybernetik“ absetzen und schreibt „Artificial Intelligence“ — nach eigener Aussage vor allem, um Diskussionen mit Norbert Wiener aus dem Weg zu gehen. Im Sommer 1956 treffen sich rund zehn Forscher acht Wochen lang in Dartmouth.

    Im Antrag steht der Satz, jedes Merkmal von Intelligenz lasse sich so präzise beschreiben, dass eine Maschine es simulieren könne. Man rechnete mit nennenswerten Fortschritten binnen eines Sommers.

    Warum es zähltDas ist die Geburtsstunde des Namens — und gleichzeitig die erste Fehlprognose der Branche. Beides ist Tradition geblieben.
  • 1958Das Perzeptron — eine Maschine, die lernt

    Frank Rosenblatt baut am Cornell Aeronautical Laboratory das Mark I Perceptron: keine Software, sondern Hardware mit Potentiometern, die von Motoren verstellt werden. Es lernt, einfache Muster zu unterscheiden — indem es rät und bei Fehlern die Gewichte nachjustiert.

    Warum es zähltErstmals wird ein Programm nicht mit Regeln gefüttert, sondern mit Beispielen. Das ist exakt die Trennlinie aus Station 2 — die New York Times prophezeit prompt eine Maschine, die bald laufen, sprechen und sich ihrer selbst bewusst sein werde.
  • 1966ELIZA und der erste Chatbot-Effekt

    Joseph Weizenbaum programmiert am MIT ELIZA — 200 Zeilen Mustererkennung, die einen Psychotherapeuten imitieren: „Ich habe Probleme mit meinem Vater“ → „Erzählen Sie mir mehr über Ihren Vater.“ Kein Verständnis, nur Umformulierung.

    Weizenbaum ist entsetzt, wie ernst die Leute das nehmen. Seine eigene Sekretärin bittet ihn, den Raum zu verlassen, damit sie ungestört „reden“ kann.

    Warum es zähltDer ELIZA-Effekt: Menschen unterstellen einem System Verstehen, sobald die Sprache stimmt. Das ist keine historische Anekdote, das ist der Alltag im Umgang mit heutigen Chatbots.
  • 1969Minsky & Papert zerlegen das Perzeptron

    Marvin Minsky und Seymour Papert beweisen in ihrem Buch „Perceptrons“: Ein einlagiges Perzeptron kann nicht einmal „entweder oder“ (XOR) lernen. Es kann nur eine gerade Linie ziehen — und manche Probleme brauchen eben keine Gerade.

    Warum es zähltMathematisch korrekt, in der Wirkung verheerend. Die Lösung — mehrere Schichten übereinander — war bekannt, aber niemand wusste, wie man sie trainiert. Die Antwort darauf kommt erst 17 Jahre später. In der Zwischenzeit versiegt die Förderung für neuronale Netze fast vollständig.
1974 — 1980

Der erste KI-Winter

Nicht die Technik scheitert zuerst, sondern das Versprechen. Wer 1958 vollautomatische Übersetzung „in wenigen Jahren“ ankündigt, bekommt 1974 kein Geld mehr.

  • 1973Der Lighthill-Report dreht Großbritannien den Hahn zu

    Der Mathematiker James Lighthill begutachtet im Auftrag des britischen Forschungsrats das Feld und kommt zum Schluss: In keinem Bereich habe die KI-Forschung die angekündigten Ergebnisse geliefert. Sein Kernvorwurf ist die kombinatorische Explosion — Verfahren, die im Spielzeug-Beispiel funktionieren, ersticken an realistischen Problemgrößen.

    Warum es zähltGenau dieses Argument probierst du gleich an Station 3 selbst aus. Und es ist der Grund, warum Deep Blue erst 24 Jahre später gewinnen konnte.
  • 1974–80Was in der Kälte trotzdem passierte

    Winter heißt nicht Stillstand, sondern Förderstopp. Wesentliche Bausteine entstehen trotzdem — das Backpropagation-Verfahren etwa wird in dieser Zeit mehrfach unabhängig hergeleitet (Seppo Linnainmaa 1970, Paul Werbos 1974), nur beachtet es niemand.

    Warum es zähltEin Muster, das sich wiederholt: Die Ideen sind meist Jahrzehnte vor ihrer Wirkung da. Was fehlt, sind Daten und Rechenleistung.
1980 — 1987

Expertensysteme: KI wird kurz profitabel

Der Ausweg aus dem Winter heißt Bescheidenheit. Statt „allgemeine Intelligenz“ nur noch ein eng umrissenes Fachgebiet — und darin sehr viele handgeschriebene Wenn-dann-Regeln.

  • 1980XCON konfiguriert Computer — und spart echtes Geld

    Digital Equipment Corporation setzt XCON (auch R1) ein, um Bestellungen für VAX-Rechner zu konfigurieren: Welche Karte passt in welchen Slot, welches Kabel fehlt noch? Anfangs rund 750 Regeln, später mehrere tausend. Das System spart dem Konzern nach eigenen Angaben zweistellige Millionenbeträge pro Jahr.

    Verwandt: MYCIN aus Stanford diagnostiziert Blutinfektionen und schlägt Antibiotika vor — in Tests auf dem Niveau von Fachärzten. Eingesetzt wurde es nie; Haftungs- und Akzeptanzfragen. Auch das kommt uns bekannt vor.

    Warum es zähltErster kommerzieller Erfolg der KI. Und die Systeme waren vollständig erklärbar — man konnte jede Entscheidung bis zur Regel zurückverfolgen. Genau das haben wir seither verloren.
  • 1986Backpropagation kommt an

    David Rumelhart, Geoffrey Hinton und Ronald Williams veröffentlichen in Nature die Lernregel für mehrschichtige Netze. Die Idee: Man misst den Fehler am Ausgang und rechnet ihn Schicht für Schicht rückwärts, um zu bestimmen, welche Gewichte wie stark schuld waren. Im Kern ist das die Kettenregel aus der Schulmathematik.

    Warum es zähltDas ist die Antwort auf Minsky & Papert und bis heute der Trainingsalgorithmus praktisch jedes neuronalen Netzes — von 1986 bis zum aktuellen Sprachmodell hat sich daran nichts Grundsätzliches geändert.
  • 1989LeCun liest Postleitzahlen

    Yann LeCun trainiert bei AT&T Bell Labs ein faltendes Netz (CNN) darauf, handgeschriebene Ziffern auf Briefumschlägen zu erkennen. Das System geht in den Produktivbetrieb und liest zeitweise einen erheblichen Teil der US-Schecks.

    Warum es zähltDer erste breite Praxiseinsatz eines tiefen Netzes — 23 Jahre vor dem großen Deep-Learning-Boom. Die Architektur stimmte bereits, es fehlten Daten und GPUs.
1987 — 1993

Der zweite KI-Winter

Expertensysteme haben ein Skalierungsproblem: Bei 10.000 Regeln widersprechen sich die Regeln gegenseitig, und jede Änderung an der Realität muss von Hand nachgepflegt werden. Gleichzeitig bricht der Markt für die spezialisierte LISP-Hardware zusammen — normale Arbeitsplatzrechner sind inzwischen schneller und viel billiger.

  • 1987Wartung frisst den Nutzen

    Die Systeme sind spröde: Sie sind exzellent innerhalb ihres Regelwerks und vollkommen hilflos einen Schritt daneben. Wissen aus Expertenköpfen in Regeln zu überführen („knowledge acquisition bottleneck“) erweist sich als der teuerste Teil des Projekts — und er hört nie auf.

    Warum es zähltDie Lehre, die den nächsten Aufschwung ermöglicht: Regeln von Hand schreiben skaliert nicht. Regeln aus Daten lernen schon. Ab hier gewinnt Machine Learning.
  • 1997Nebenbei: LSTM

    Sepp Hochreiter und Jürgen Schmidhuber lösen mit dem LSTM das Problem, dass Netze über lange Sequenzen hinweg „vergessen“. Es wird zwei Jahrzehnte lang die Grundlage für Spracherkennung und maschinelle Übersetzung — bis 2017 der Transformer kommt.

    Warum es zähltWieder das Muster: veröffentlicht 1997, flächendeckend wirksam ab etwa 2015.
Mai 1997

Deep Blue — Rohe Gewalt, sehr gut organisiert

Der erste Moment, in dem eine Maschine öffentlich sichtbar einen Menschen in dessen Paradedisziplin schlägt. Und ausgerechnet dieser Sieg enthält kein maschinelles Lernen.

  • 19973½ : 2½ gegen Garri Kasparow

    Ein Jahr zuvor hatte Kasparow dieselbe Maschine noch 4:2 geschlagen. Die überarbeitete Version bewertet rund 200 Millionen Stellungen pro Sekunde auf Spezialchips. Ihre Schachkenntnis stammt aber komplett von Menschen: Großmeister Joel Benjamin half, die Bewertungsfunktion zu justieren — Figurenwert, Königssicherheit, Bauernstruktur, alles von Hand gewichtet.

    Kasparow verlor die entscheidende Partie nach einem frühen Fehler in einer bekannten Eröffnungsvariante. Legendär wurde ein für ihn unerklärlicher Zug der Maschine, den er für Zeichen überlegener Tiefe hielt — Entwickler erklärten ihn später mit einem Fehlerfall, der zu einem Zufallszug führte.

    Warum es zähltDeep Blue ist die Krönung des alten Paradigmas: Der Mensch liefert das Wissen, die Maschine liefert die Geschwindigkeit. Übertragbar war davon: nichts. Deep Blue konnte ausschließlich Schach.

Station 3 / 5

Die kombinatorische Explosion — zum Anfassen

Jeder Zug öffnet neue Antwortzüge. Klick dich Ebene für Ebene tiefer und schau zu, wie die Zahlen davonlaufen. Genau das meinte Lighthill 1973.

Halbzüge vorausgerechnet
1
Stellungen auf dieser Ebene
35
Deep Blue braucht dafür
0,2 Mikrosekunden

2006 — 2015

Deep Learning: Als drei Dinge gleichzeitig da waren

Die Verfahren waren alt. Neu waren: sehr viele beschriftete Daten, Grafikkarten als billige Rechenknechte — und ein paar handwerkliche Tricks, die tiefe Netze überhaupt erst trainierbar machten.

  • 2009ImageNet — jemand baut den Datensatz

    Fei-Fei Li lässt über Amazon Mechanical Turk Millionen Bilder von Menschen beschriften — rund 14 Millionen Bilder in gut 20.000 Kategorien. Die Fachwelt hält das für eine Fleißarbeit ohne Erkenntniswert.

    Warum es zähltOhne ImageNet kein AlexNet. Die unromantische Wahrheit der KI-Geschichte: Sehr oft ist der Datensatz der Durchbruch, nicht der Algorithmus.
  • 2012AlexNet — der Knall

    Alex Krizhevsky, Ilya Sutskever und Geoffrey Hinton gewinnen den ImageNet-Wettbewerb mit einem tiefen Faltungsnetz, trainiert auf zwei handelsüblichen Gaming-Grafikkarten. Die Fehlerquote fällt von 26 % auf 15 %. Der Abstand zum zweiten Platz ist so groß, dass innerhalb eines Jahres praktisch das gesamte Feld die Methode wechselt.

    Warum es zähltDer Bruch mit dem Feature Engineering: Vorher überlegten Menschen, welche Bildmerkmale wichtig sind (Kanten, Ecken, Texturen). Ab jetzt findet das Netz die Merkmale selbst — und findet bessere.
  • 2014GANs: Zwei Netze, die sich gegenseitig hochschaukeln

    Ian Goodfellow stellt Netze gegeneinander: Eines erzeugt Fälschungen, das andere versucht sie zu entlarven. Beide werden dabei besser. Die ersten fotorealistischen Gesichter erfundener Menschen entstehen so.

    Warum es zähltDer Beginn der generativen KI im Bildbereich — und der Punkt, ab dem „Foto“ aufhört, ein Beweis zu sein. Heute dominieren Diffusionsmodelle, die Idee des Trainings gegen einen Gegenspieler ist geblieben.
2010 — 2017

DeepMind und AlphaGo — Intuition wird trainierbar

Go galt als das Spiel, bei dem Computer noch Jahrzehnte brauchen würden. Es gibt mehr legale Go-Stellungen als Atome im beobachtbaren Universum — Durchrechnen ist prinzipiell ausgeschlossen. Die Firma, die es trotzdem löste, hatte sich genau darauf vorbereitet.

  • 2010Eine Londoner Firma mit einem ungewöhnlichen Plan

    Demis Hassabis, Shane Legg und Mustafa Suleyman gründen DeepMind. Hassabis’ Lebenslauf ist selbst schon eine Antwort auf die Frage, wie man an KI herangeht: Schachmeister mit dreizehn, mit siebzehn Mitentwickler des Computerspiels Theme Park, danach Promotion in kognitiver Neurowissenschaft über Gedächtnis und Vorstellungskraft.

    Das erklärte Ziel war nie ein einzelnes Produkt, sondern „Intelligenz lösen und damit alles andere lösen“. Als Trainingsumgebung wählte man Spiele — weil sie klare Regeln, unbegrenzt viele Durchläufe und eine eindeutige Erfolgsmessung liefern. 2014 kauft Google die Firma für einen Betrag in der Größenordnung von einer halben Milliarde Dollar; Teil der Vereinbarung ist ein Ethikgremium und der Ausschluss militärischer Nutzung.

    Warum es zähltEin Labor, das ausdrücklich Grundlagenforschung betreibt, in einem Konzern. Ohne diese Konstruktion gäbe es weder AlphaGo noch AlphaFold — beides Projekte, die sich nicht mit einer Quartalsplanung rechtfertigen lassen.
  • 2013–15Erst Atari: ein Programm lernt 49 Spiele aus dem Bildschirmbild

    Vor Go kommt DQN — ein Netz, das klassische Atari-Spiele allein aus den Pixeln des Bildschirms und dem Punktestand lernt. Kein Regelwissen, keine spielspezifische Programmierung: derselbe Algorithmus, dieselben Einstellungen für alle 49 Spiele. In etwa der Hälfte erreicht es menschliches Niveau oder besser. Die Arbeit erscheint 2015 in Nature.

    Berühmt wurde die Beobachtung bei Breakout: Nach einigen hundert Partien entdeckt das System von selbst, dass es sich lohnt, einen Tunnel an den Rand zu graben und den Ball hinter der Mauer einzusperren — eine Strategie, die niemand einprogrammiert hatte.

    Warum es zähltHier wird zum ersten Mal sichtbar, was Reinforcement Learning mit tiefen Netzen leistet: keine Lösung für ein Problem, sondern ein Verfahren, das sich viele Probleme selbst erschließt. Genau dieser Baukasten wird auf Go angesetzt.
  • Okt 2015Der Sieg, den ein halbes Jahr niemand erfuhr

    AlphaGo schlägt den amtierenden Europameister Fan Hui 5:0 — der erste Sieg eines Programms gegen einen Go-Profi auf dem vollen 19×19-Brett ohne Vorgabesteine. Das Ergebnis bleibt bis zur Veröffentlichung in Nature im Januar 2016 unter Verschluss. Die Fachwelt hatte solche Fortschritte erst für das nächste Jahrzehnt erwartet.

    Warum es zähltDer Zeitpunkt der Ankündigung war strategisch: Zwischen Paper und dem Match gegen Lee Sedol lagen nur acht Wochen — zu wenig, um sich vorzubereiten.
  • März 20164 : 1 gegen Lee Sedol — Zug 37 und Zug 78

    Fünf Partien in Seoul, eine Million Dollar Preisgeld, geschätzt zweihundert Millionen Zuschauer weltweit. Lee Sedol, seit einem Jahrzehnt einer der besten Spieler der Welt, hatte vorab mit 5:0 oder 4:1 für sich gerechnet.

    Zug 37, Partie zwei: AlphaGo setzt eine Schulterberührung auf der fünften Linie — einen Zug, den nach damaliger Lehre kein Profi spielt. Die Kommentatoren halten ihn zuerst für einen Fehler, Lee verlässt sichtlich irritiert den Raum. Der Zug entscheidet die Partie. Die vom System selbst geschätzte Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch ihn gespielt hätte: etwa eins zu zehntausend.

    Zug 78, Partie vier: Lee antwortet mit einem Keil zwischen die weißen Steine, der in Korea seither „der göttliche Zug“ heißt. AlphaGos Bewertung bricht danach zusammen, es spielt mehrere schwache Züge und verliert. Es bleibt die einzige Partie, die ein Mensch in offizieller Wertung gegen diese Programmlinie gewinnt.

    Warum es zähltNicht der Sieg ist die Nachricht, sondern Zug 37: Das System hat nicht menschliches Spiel perfektioniert, es hat etwas gefunden, das Menschen in 2.500 Jahren übersehen hatten. Und Zug 78 zeigt die Kehrseite — verlässt man den Bereich, für den trainiert wurde, kann die Einschätzung schlagartig unbrauchbar werden. Beides gilt für heutige Modelle unverändert.
  • 2017Ke Jie, dann AlphaGo Zero — und der Mensch fällt weg

    Im Mai 2017 schlägt AlphaGo den damaligen Weltranglistenersten Ke Jie im chinesischen Wuzhen 3:0 und wird anschließend aus dem Wettkampf genommen.

    Im Oktober folgt AlphaGo Zero: kein menschliches Spielmaterial mehr, nur die Regeln und Partien gegen sich selbst. Nach drei Tagen schlägt es die Lee-Sedol-Version 100:0. Zwei Monate später verallgemeinert AlphaZero dasselbe Verfahren auf Schach und Shogi und spielt nach wenigen Stunden Selbstspiel auf einem Niveau, das die jahrzehntelang optimierten Spezialprogramme übertrifft. 2019 kommt MuZero dazu — es lernt sogar ohne die Regeln zu kennen.

    Warum es zähltDie menschlichen Trainingsdaten waren nicht nur verzichtbar, sie waren ein Nachteil: Ohne sie wurde das System besser. Das ist die unbequemste Erkenntnis dieser Geschichte — und die Gegenthese zu allem, was danach mit Sprachmodellen passiert ist, die ausschließlich von menschlichem Material leben.
  • 2019Lee Sedol hört auf

    Lee Sedol beendet seine Profilaufbahn und nennt die KI als Grund: Selbst wer Nummer eins werde, stehe nun einer Instanz gegenüber, die nicht zu schlagen sei.

    Im Go selbst ist das Ergebnis ambivalenter, als diese Geste vermuten lässt: Die Eröffnungstheorie wurde binnen weniger Jahre umgeschrieben, lange verpönte Züge sind rehabilitiert, und Profis trainieren heute selbstverständlich mit KI-Analyse. Das Spiel ist nicht gestorben, es hat sich verändert.

    Warum es zähltDie ehrlichste verfügbare Fallstudie dafür, was passiert, wenn eine Maschine ein Feld übernimmt: nicht Verschwinden, sondern Verschiebung dessen, worin die menschliche Leistung besteht.

Was AlphaGo anders macht als Deep Blue

Beide durchsuchen einen Zugbaum. Der Unterschied liegt darin, wer entscheidet, welche Äste überhaupt betrachtet werden — und woher die Bewertung kommt.

Deep Blue · 1997 alles durchrechnen, dann nach Regel bewerten jeder Zug, ohne Vorauswahl Bewertungsfunktion von Großmeistern von Hand eingestellt Wissen: kommt vom Menschen AlphaGo · 2016 erst auswählen, dann gelernt bewerten Policy-Netz schlägt wenige Züge vor Value-Netz aus Millionen Partien gegen sich selbst gelernt Wissen: entsteht im Training
Deep Blue brauchte Breite, AlphaGo brauchte Urteil. Das Policy-Netz wirft von 250 möglichen Zügen die meisten weg, bevor gerechnet wird; das Value-Netz ersetzt die Bewertungsfunktion, die im Go niemand aufschreiben konnte. Die Suche selbst — Monte Carlo Tree Search — spielt die verbliebenen Äste stichprobenartig zu Ende, statt sie vollständig aufzuklappen.
2020 — 2021

AlphaFold — als das Spielzeug die Wissenschaft erreicht

Der Moment, in dem KI aufhört, Spiele zu gewinnen, und anfängt, ein 50 Jahre offenes naturwissenschaftliches Problem zu lösen.

  • 2020Das Faltungsproblem, gelöst bei CASP14

    Proteine sind Ketten aus Aminosäuren, die sich in eine dreidimensionale Form falten — und nur diese Form bestimmt ihre Funktion. Die Kette kennt man leicht, die Form nur über aufwendige Kristallografie: oft Jahre Laborarbeit pro Protein.

    Bei CASP14, dem alle zwei Jahre stattfindenden Blindtest der Fachwelt, erreicht DeepMinds AlphaFold 2 eine Genauigkeit, die mit experimenteller Messung vergleichbar ist. Die Organisatoren erklären das Kernproblem im Wesentlichen für gelöst. 2021 wird der Code offengelegt, danach entsteht eine Datenbank mit über 200 Millionen vorhergesagten Strukturen — praktisch alle bekannten Proteine.

    Warum es zähltDrei Dinge machen das bemerkenswert: (1) Es ist derselbe Werkzeugkasten wie bei den Sprachmodellen — Aufmerksamkeitsmechanismen, nur auf Aminosäuren statt Wörter. (2) Der Nutzen ist sofort greifbar: Medikamentenforschung, Enzymdesign, Malaria-Impfstoffe. (3) 2024 gab es dafür den Chemie-Nobelpreis (Hassabis, Jumper) — im selben Jahr, in dem der Physik-Nobelpreis an Hopfield und Hinton für die Grundlagen neuronaler Netze ging.
2017 — heute

Transformer und die Sprachmodelle

Eine Architektur aus dem Jahr 2017, ein Trainingsziel aus der Grundschule und sehr, sehr viel Rechenleistung.

  • 2017„Attention Is All You Need“

    Acht Google-Forscher stellen den Transformer vor. Bisherige Sprachmodelle lasen Text Wort für Wort in Reihe — schlecht parallelisierbar und vergesslich. Der Transformer sieht den ganzen Abschnitt auf einmal und lernt für jedes Wort, auf welche anderen Wörter es achten muss (Attention). In „Der Anwalt gab dem Mandanten seine Akte, weil er sie brauchte“ lernt das Modell, worauf sich „er“ bezieht.

    Warum es zähltDer entscheidende Nebeneffekt: Das Ganze läuft massiv parallel auf GPUs. Damit wird das Training auf Internet-Maßstab erstmals bezahlbar. Das T in GPT steht für Transformer — und AlphaFold nutzt dieselbe Idee.
  • 2020GPT-3 und die Skalierungsgesetze

    175 Milliarden Parameter. Die eigentliche Entdeckung ist aber nicht die Größe, sondern ihre Vorhersagbarkeit: Modellgröße, Datenmenge und Rechenaufwand hängen mit der Qualität über erstaunlich glatte Kurven zusammen. Man kann vor dem Training ausrechnen, wie gut das Ergebnis wird.

    Dazu kommt ein unerwartetes Verhalten: Aufgaben, für die niemand trainiert hat — Übersetzen, Zusammenfassen, Code — funktionieren ab einer gewissen Größe plötzlich, allein aufgrund weniger Beispiele im Prompt.

    Warum es zähltAb hier ist KI-Fortschritt zum Teil eine Investitionsentscheidung: mehr Rechenzeit rein, bessere Modelle raus. Das erklärt die Milliardensummen — und die Rechenzentrumsdebatte.
  • 2022ChatGPT: nicht neue Technik, neue Verpackung

    Am 30. November 2022 veröffentlicht OpenAI ChatGPT. Das zugrundeliegende Modell ist Monate alt. Neu ist zweierlei: ein Chatfenster, das jeder bedienen kann, und RLHF — Menschen bewerten Antworten, das Modell wird darauf trainiert, die bevorzugten zu treffen. Aus einem Textvervollständiger wird ein Assistent, der Anweisungen befolgt.

    Warum es zähltRund 100 Millionen Nutzer in zwei Monaten. Die Lehre daraus: Der Unterschied zwischen „interessantes Modell“ und „alle reden darüber“ war nicht die Modellqualität, sondern die Bedienoberfläche.
  • 2023 →Multimodal, Reasoning, Agenten

    Seither drei Entwicklungslinien: multimodal — ein Modell verarbeitet Text, Bild, Audio und Video gemeinsam. Reasoning — Modelle, die vor der Antwort erst intern eine Gedankenkette produzieren; Rechenzeit wird von der Trainings- in die Antwortphase verschoben. Agenten — Modelle bekommen Werkzeuge (Suche, Datenbank, Terminal) und arbeiten mehrstufige Aufgaben selbstständig ab.

    Warum es zähltDie dritte Linie ist die, die unsere Arbeit direkt betrifft: nicht „das Modell schreibt Text“, sondern „das Modell bedient Systeme“ — und das ist die Linie, an der die Technik den Arbeitsalltag erreicht.

Station 4 / 5

Was ein Sprachmodell wirklich tut

Es sagt das nächste Textstück voraus. Immer nur das nächste. Alles andere — Übersetzen, Zusammenfassen, Programmieren — fällt aus dieser einen Fähigkeit ab. Klick auf ein Wort, um es zu übernehmen.

1,00

Hinweis: vorberechnete Beispielwerte zur Veranschaulichung, hier läuft kein echtes Modell. Ein reales Modell verteilt die Wahrscheinlichkeit über rund 100.000 mögliche Textstücke — hier siehst du jeweils die besten fünf.

Unter der Haube: Wie ein LLM heute gebaut ist

Vier Bilder, dann ist der Aufbau eines Modells wie Claude erklärt — und danach der ehrliche Teil: welche Angaben dazu öffentlich sind und welche nicht.

Attention: worauf ein Wort schaut

Klick ein Wort an. Die Bögen zeigen, aus welchen anderen Wörtern es Information zieht — je dicker, desto stärker. Genau das lernt ein Transformer, und zwar für jedes Wort gleichzeitig.

Das ist die Auflösung des Bezugs. Damit „er“ richtig verstanden wird, muss das Modell lernen, dass dieses Wort auf „Mandanten“ zeigt und nicht auf „Anwalt“ — kein Mensch hat ihm das gesagt, das ergibt sich aus der Vorhersageaufgabe.
Beispielwerte zur Veranschaulichung. Ein echtes Modell hat dutzende solcher Aufmerksamkeitsköpfe pro Block, die verschiedene Dinge verfolgen.

Drei Bauformen — und warum heute alle dasselbe nehmen

Derselbe Transformer, drei Verdrahtungen. Der Unterschied ist nur, wer wen sehen darf.

Encoder-only BERT · 2018 ▸ sieht in beide Richtungen ein Vektor · ein Label Aufgabe: verstehen und einordnen Spamfilter, Suche, Klassifikation Decoder-only GPT, Claude · heute der Standard ▸ sieht nur nach links nächstes Token Aufgabe: fortsetzen und erzeugen Chat, Code, alles Generative Encoder-Decoder Übersetzung, T5 — und AlphaFold ▸ zwei getrennte Hälften Encoder liest die Quelle Cross-Attention Decoder schreibt das Ziel Aufgabe: A rein, B raus
Die mittlere Spalte hat gewonnen. Weil ein Modell, das nur fortsetzt, mit genug Größe auch alles andere kann: Man schreibt die Klassifikationsaufgabe einfach als Text hin und lässt sie fortsetzen. Encoder-Decoder lebt weiter, wo Ein- und Ausgabe wirklich verschiedene Sprachen sind — Übersetzung, oder Aminosäurekette zu Proteinstruktur.

Was in einem einzelnen Block passiert

Zwei Rechenschritte und zwei Abkürzungen. Mehr ist ein Transformer-Block nicht — er wird nur sehr oft gestapelt.

Vektor je Wort Self-Attention Wörter tauschen Information aus + Abkürzung: der Eingang wird unverändert dazuaddiert Feed-Forward (MLP) jedes Wort rechnet für sich weiter + in den nächsten Block Dieser Block wiederholt sich einige Dutzend bis über hundert Mal.
Die gestrichelten Abkürzungen sind der unscheinbare Trick. Sie lassen den ursprünglichen Wert unverändert durch, jede Schicht addiert nur eine Korrektur dazu. Ohne sie ließen sich tiefe Netze gar nicht trainieren — das war 2015 die Erfindung, die Netze von einem Dutzend auf hunderte Schichten gebracht hat.

Der ganze Weg, einmal durch

Für jedes einzelne Token wird diese Kette komplett durchgerechnet.

Text was du tippst Tokenizer in Stücke zerlegt Embedding Stück → Zahlenvektor × N Blöcke Attention + MLP Softmax Zahlen → Prozente nächstes Token gewürfelt …und dann von vorn, mit dem neuen Token hinten dran
Deshalb kostet ein langer Text so viel. Und deshalb ist das Kontextfenster eine harte Grenze und kein Gedächtnis: Was nicht mehr hineinpasst, existiert für das Modell im nächsten Durchlauf schlicht nicht.

Wie aus einem Textfortsetzer ein Assistent wird

Die Architektur oben ist nur das Blech. Was ein Modell im Alltag brauchbar macht, entsteht in vier Phasen. Klick dich durch.

Und was weiß man nun konkret über Claude?

Weniger, als man denkt — und das gilt für praktisch alle Anbieter gleichermaßen. Die Bauform ist bekannt, die Maße sind es nicht.

Öffentlich bekannt

  • Bauform: Decoder-only Transformer — dieselbe Familie wie GPT und Gemini
  • Multimodal: Text und Bilder gehen hinein, Text kommt heraus
  • Kontextfenster in der Größenordnung von 200.000 Token, bei einzelnen Modellen mehr
  • Constitutional AI: das Modell überarbeitet eigene Antworten anhand einer schriftlichen Verfassung
  • Extended Thinking und Werkzeugnutzung, angebunden über den offenen Standard MCP
  • Modellkarten und Sicherheitseinstufungen werden bei jedem Release veröffentlicht

Nicht öffentlich

  • Die Parameterzahl. Jede kursierende Zahl ist geschätzt oder erfunden
  • Anzahl und Breite der Schichten, Zahl der Aufmerksamkeitsköpfe
  • Zusammensetzung und Umfang der Trainingsdaten
  • Ob und wo Mixture-of-Experts eingesetzt wird
  • Rechenkosten und Dauer des Trainings

Praktische Konsequenz: Wenn jemand sagt, Modell X habe Y Milliarden Parameter — nach der Quelle fragen. Bei den offenen Modellen (Llama, Mistral, Qwen) stimmen solche Zahlen, bei den geschlossenen sind sie Kaffeesatz.

Ausblick: Wie lange kann eine KI am Stück arbeiten?

Die interessanteste Messgröße der letzten Jahre kommt nicht von einem Anbieter, sondern vom Evaluations-Institut METR. Sie fragt nicht „wie schlau“, sondern „wie lange am Stück“ — und liefert damit die einzige Zahl auf dieser Seite, die nach vorn zeigt.

METRs eigene Definition: der 50-%-Zeithorizont ist die Aufgabenlänge — gemessen daran, wie lange ein menschlicher Fachmann dafür braucht —, bei der man mit 50 % Zuversicht vorhersagt, dass das Modell sie schafft. Ein Horizont von einer Stunde heißt also nicht, dass das Modell eine Stunde rechnet, sondern dass es Aufgaben schafft, für die ein Profi rund eine Stunde braucht.

Station 5 / 5

26 Modelle, sieben Jahre, logarithmische Achse

Achtung auf die y-Achse: Jeder Schritt nach oben ist eine Verzehnfachung. Eine gerade Linie in diesem Bild bedeutet exponentielles Wachstum. Gefüllte Punkte waren zu ihrer Zeit das jeweils beste gemessene Modell.

jetzt
Verdopplung alle
Trendlinie sagt dort
Zuletzt gemessen

Alle 26 Messpunkte anzeigen
ModellVeröffentlicht50 %80 %

Was die Kurve nicht sagt

  • Gemessen wird eine sehr bestimmte Sorte Arbeit. METR: „Unsere Aufgabenverteilung besteht überwiegend aus Software-Engineering-, Machine-Learning- oder IT-Sicherheitsaufgaben.“ Kein Kundengespräch, keine unklare Anforderung, kein Hausvokabular, keine Verantwortung.
  • Über 16 Stunden ist die Messung unzuverlässig — sagt METR selbst, und schließt solche Punkte aus der Trendrechnung aus. Der jüngste Messpunkt liegt bereits darüber.
  • Die menschlichen Vergleichszeiten sind teils geschätzt. Von den langen Aufgaben (8 Stunden und mehr) ist nur bei fünf von 31 die Menschenzeit tatsächlich gemessen. Und die Vergleichspersonen arbeiten ohne Projektkontext — Fachleute im eigenen Revier sind schneller.
  • 50 % Trefferquote ist für den Produktivbetrieb wenig. Der Umschalter oben zeigt es: Bei 80 % fällt der Horizont um rund den Faktor fünf.
  • Der Trend hängt an der Aufgabenauswahl. Beim Übergang von Version 1.0 auf 1.1 verschoben sich einzelne Modelle um bis zu 55 % — nach oben wie nach unten. Eine Kurve, deren Messlatte sich ändert, ist kein Naturgesetz.
  • Nicht alle Modelle sind gemessen (METR nennt Kapazitätsgrenzen), und die Horizonte unterscheiden sich stark je nach Aufgabengebiet.

Alle Zahlen in diesem Abschnitt stammen aus METRs veröffentlichtem Datensatz benchmark_results_1_1.yaml, abgerufen am 20. August 2026 (26 Modelle, Stand 7. April 2026). Kontext: metr.org/time-horizons, Methodik im Aufsatz Measuring AI Ability to Complete Long Tasks und im Update Time Horizon 1.1. Es kommen laufend Modelle dazu; die verlinkte Originalseite ist immer aktueller als diese hier.

Die Frage, die daraus folgt

Nicht „wann kommt die AGI“. Sondern: Welche unserer Aufgaben dauern weniger als zwei Stunden, lassen sich klar beschreiben und maschinell überprüfen? Genau die sind heute schon dran. Alles, was Kontext aus dem Haus, Abstimmung oder Verantwortung braucht, kommt auf dieser Kurve überhaupt nicht vor — und das ist keine Randbemerkung, sondern der größere Teil unserer Arbeit.

Der erste blinde Fleck: die physische Welt

Der Zeithorizont im vorigen Abschnitt misst ausschließlich Aufgaben am Bildschirm. Sobald etwas angefasst werden muss, gelten andere Regeln — und ausgerechnet dort sind die Fortschritte am schwersten vorherzusagen.

Moravecs Paradox, 1988

Hans Moravec hat die Beobachtung formuliert, die sich durch diese ganze Geschichte zieht: Was Menschen schwerfällt, fällt Maschinen leicht — und umgekehrt. Schach auf Großmeisterniveau: 1997 erledigt. Eine Tasse aus einem unaufgeräumten Regal nehmen, ohne sie fallen zu lassen: bis heute ein Forschungsthema.

Moravecs Erklärung ist evolutionär: Wahrnehmung und Bewegung sind seit Hunderten von Millionen Jahren im Training, abstraktes Schließen erst seit wenigen zehntausend. Das Schwierige wirkt für uns leicht, weil es unbewusst und ausgereift abläuft.

Warum der Sprung so groß ist

Es ist nicht nur „schwerer“. Es ist eine andere Art von Aufgabe.

Sprachmodell offene Kette · Fehler bleibt stehen Anfrage Modell Text Geht etwas schief, liest ein Mensch es und fragt neu. Die Welt bleibt, wie sie war. Trainingsmaterial: Text im Internet-Maßstab — schon vorhanden, praktisch gratis. Robotermodell geschlossener Kreis · Fehler pflanzt sich fort wahrnehmen handeln Welt ändert sich Trainingsmaterial: aufgezeichnete Bewegungen — muss erst erzeugt werden, Stück für Stück.
Der Unterschied ist der geschlossene Kreis. Ein Sprachmodell gibt Text aus; stimmt er nicht, liest ihn ein Mensch und fragt neu. Ein Roboter verändert mit jeder Handlung die Welt, die er im nächsten Schritt wahrnimmt — Fehler summieren sich statt stehenzubleiben, und es gibt kein Zurücknehmen. Dazu kommt der Datenunterschied: Text war schon da, Bewegungsdaten müssen erst erzeugt werden.

Was sich seit etwa 2022 verändert hat

Ansatz

Ein Modell für viele Roboter

Statt für jeden Greifer ein eigenes Programm: Vision-Language-Action-Modelle. Sie bekommen ein Kamerabild und einen Auftrag in normaler Sprache und geben direkt Gelenkbefehle aus — dieselbe Bauform wie ein Sprachmodell, nur mit Motorbefehlen statt Wörtern als Ausgabe.

Googles RT-1 und RT-2 haben das ab 2022 gezeigt: Weltwissen aus dem Web landet in Roboterhandlungen.

Daten

Gemeinsame Datensätze

Das Nadelöhr ist nicht die Rechenleistung, sondern das Material. Beim Projekt Open X-Embodiment haben über dreißig Labore ihre Aufzeichnungen zusammengelegt — Daten von mehr als zwanzig Robotertypen, weit über eine Million aufgezeichneter Handlungen.

Der bewusste Nachbau dessen, was ImageNet 2009 für die Bilderkennung war.

Umweg

Üben in der Simulation

Weil echte Bewegungsdaten teuer sind, wird zunehmend in physikalischen Simulationen trainiert und das Gelernte auf die echte Maschine übertragen. Dazu kommen Weltmodelle: Systeme, die vorhersagen, wie eine Szene weitergeht — Übungsgelände ohne Hardware.

Der Haken heißt Sim-to-Real-Lücke: Simulierte Physik ist nie ganz die echte.

Geld

Humanoide als Wette

Eine Reihe gut finanzierter Unternehmen baut menschenähnliche Roboter — die Idee dahinter: Wenn eine Maschine die Form eines Menschen hat, passt sie in eine Welt, die für Menschen gebaut ist, und kann von menschlichen Vorführungen lernen.

Ob die Menschenform der richtige Weg ist, ist offen und wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert.

Wie man Ankündigungen in diesem Feld liest

  • Vorführung ist nicht Serienbetrieb. Ein Video zeigt einen gelungenen Durchlauf. Die interessante Zahl ist die Erfolgsquote über hundert Versuche in einer Umgebung, die vorher nicht eingerichtet wurde.
  • Ferngesteuert oder autonom? Manche eindrucksvolle Aufnahme entsteht mit einem Menschen an der Fernsteuerung — was legitim ist, weil daraus Trainingsdaten werden, aber etwas anderes bedeutet.
  • Geschwindigkeit zählt. Viele Vorführungen laufen deutlich beschleunigt.
  • Und die Gegenprobe: Bei Deep Blue, AlphaGo und AlphaFold ließ sich der Erfolg an einer Zahl festmachen — Partie gewonnen, Struktur getroffen. Für „räumt eine Küche auf“ gibt es diese Zahl noch nicht. Das ist kein Detail, sondern der Grund, warum sich der Fortschritt hier so schlecht messen lässt.

Der zweite blinde Fleck: die halbe Landkarte

Diese Zeitleiste erzählt bis hierher eine angelsächsische Geschichte — Dartmouth, Bell Labs, London, San Francisco. Das war bis etwa 2023 halbwegs vollständig. Heute ist es das nicht mehr.

Der Moment, an dem das breit auffiel, war der 27. Januar 2025. Das chinesische Labor DeepSeek hatte kurz zuvor ein frei herunterladbares Modell veröffentlicht, das mit den besten geschlossenen Modellen mithielt — und dessen Trainingskosten mit einer Zahl angegeben wurden, die um eine Größenordnung unter dem lag, was man erwartet hatte. Die US-Technologiebörsen reagierten mit dem größten Tagesverlust, den ein einzelnes Unternehmen dort je erlebt hat.

Die genannte Summe bezog sich nur auf den finalen Trainingslauf, nicht auf Forschung, Personal und Vorversuche — der Vergleich war also unfair. Das Ergebnis blieb trotzdem bestehen: Der Abstand war deutlich kleiner als angenommen, und das Modell lag offen.

Ursache

Knappheit erzeugt Effizienz

Seit 2022 dürfen die schnellsten KI-Chips nicht mehr nach China exportiert werden. Die Antwort der dortigen Labore war nicht Aufgeben, sondern ein Forschungsschwerpunkt auf Sparsamkeit: bessere Architekturen, gemischte Expertenmodelle, bei denen pro Anfrage nur ein Bruchteil der Parameter rechnet, aggressive Quantisierung.

Ein Teil dieser Techniken wird inzwischen weltweit übernommen.

Strategie

Offene Gewichte als Hebel

Auffällig ist, wie veröffentlicht wird: Viele chinesische Spitzenmodelle sind frei herunterladbar, teils unter sehr freizügigen Lizenzen. Wer die Modelle stellt, auf denen andere aufbauen, setzt die Standards — unabhängig davon, wer das beste geschlossene Modell hat.

Ein erheblicher Teil der weltweit angepassten offenen Modelle baut inzwischen auf chinesischen Grundmodellen auf.

Robotik

Wo beide Themen zusammenlaufen

China installiert seit Jahren etwa so viele Industrieroboter wie der gesamte Rest der Welt zusammen und hat eine dichte Zulieferkette für Motoren, Getriebe und Sensorik. Für Physical AI ist das die entscheidende Ausgangslage — hier zählt nicht nur das Modell, sondern wer die Hardware in Stückzahlen bauen kann.

Humanoide aus chinesischer Produktion liegen preislich weit unter westlichen Vergleichsmodellen.

Forschung

Nicht mehr nur Menge

Bei der Zahl der KI-Veröffentlichungen liegt China seit Jahren vorn; das galt lange als Mengeneffekt. Inzwischen ist der Vorsprung auch bei den viel zitierten Arbeiten sichtbar — und die einschlägigen Konferenzbeiträge stammen zu einem großen Teil aus chinesischen Instituten.

Staatliches Ziel seit 2017: bis 2030 weltweit führend zu sein.

Wo hier Vorsicht angebracht ist

  • Zahlen sind schwer zu prüfen. Trainingskosten, Chipbestände und Nutzerzahlen lassen sich von außen kaum verifizieren — in keine Richtung. Sowohl Untertreibung als auch Übertreibung haben hier ihre Interessenten.
  • Ranglisten sind nicht das Geschäft. Ein Modell, das in Vergleichstests vorn liegt, sagt wenig darüber, was zuverlässig im Betrieb läuft — das gilt für alle Anbieter.
  • Datenschutz und Rechtslage sind bei der Auswahl eines Anbieters die härtere Frage als das Ranking. Wer offene Gewichte selbst betreibt, hat eine andere Situation als wer eine fremde Schnittstelle anruft.
  • Und der Rest der Welt ist auch da: Frankreich, Kanada, Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate und Japan haben eigene, teils offene Modelle. Die Zweiteilung USA-gegen-China ist selbst schon eine Vereinfachung.

Dieser Abschnitt beschreibt die Lage bis Anfang 2026 und ist der Teil dieser Seite, der am schnellsten veraltet — ein Abgleich mit dem aktuellen Stand lohnt sich.

Vier Systeme, vier Paradigmen

Die vier Schlüsselsysteme nebeneinander — der Unterschied liegt jedes Mal darin, woher das Wissen kommt.

SystemJahrWoher kommt das Wissen?Was war neuÜbertragbar auf anderes?
Deep Blue1997 Von Menschen einprogrammiert: Bewertungsfunktion, Eröffnungsbuch Spezialhardware, 200 Mio. Stellungen/Sek. Nein — konnte nur Schach
AlphaGo2016 Erst aus menschlichen Partien, dann aus Spielen gegen sich selbst Gelernte Stellungsbewertung statt vorgegebener; Zug 37 Teilweise — AlphaZero lernte auch Schach und Shogi
AlphaFold2020 Aus 170.000 experimentell bestimmten Proteinstrukturen Erstes gelöstes Grundlagenproblem der Naturwissenschaft Die Methode ja, das Modell nein
LLM2020 → Aus Text im Internet-Maßstab, ohne menschliche Beschriftung Eine Aufgabe (nächstes Wort) erzeugt hunderte Fähigkeiten Ja — das ist der eigentliche Bruch

Vier Sätze zum Mitnehmen

01 · Muster

Die Ideen sind alt, die Bedingungen sind neu

Kleinste Quadrate 1805, Neuron 1943, Backpropagation 1986, Transformer 2017. Was sich geändert hat, sind Daten und Rechenleistung — nicht die Mathematik. Das relativiert Prognosen in beide Richtungen.

02 · Muster

Die Torpfosten wandern

Schach galt als Inbegriff des Denkens — bis eine Maschine es konnte, dann war es „nur Rechnen“. Larry Tesler: KI sei alles, was noch nicht funktioniert. Rechne damit, dass die heutigen Fähigkeiten in fünf Jahren als selbstverständlich gelten.

03 · Muster

Zwei Winter kamen nach Übertreibung, nicht nach Scheitern

Beide Male funktionierte die Technik durchaus — nur nicht so, wie versprochen. Wer heute Erwartungen setzt, entscheidet mit darüber, ob es einen dritten Winter gibt.

04 · Muster

Die Karte ist größer als der Ausschnitt

Was gemessen wird — Aufgaben am Bildschirm, in englischer Sprache, aus einer Handvoll Labore — ist nicht das ganze Feld. Die physische Welt und ein Gutteil der Weltkarte kommen in den meisten Kurven schlicht nicht vor. Wer nur den Ausschnitt sieht, überschätzt und unterschätzt gleichzeitig.

Spickzettel

Zum Nachschlagen, wenn eine der Vokabeln fehlt.

BegriffSeitIn einem Satz
Künstliche Intelligenz1956Oberbegriff für alles, was Maschinen Aufgaben lösen lässt, die man beim Menschen „intelligent“ nennen würde.
Machine Learning1959Teilgebiet der KI: Regeln werden aus Beispielen gelernt statt programmiert.
Neuronales Netz1943Rechenmodell aus Schichten einfacher Schalter mit einstellbaren Gewichten.
Deep Learning2006Neuronale Netze mit vielen Schichten; die relevanten Merkmale werden mitgelernt.
Backpropagation1986Verfahren, um den Fehler rückwärts durchs Netz zu verteilen — der Trainingsmotor.
Transformer2017Architektur, die für jedes Wort lernt, auf welche anderen Wörter es achten muss.
TokenKleinste Verarbeitungseinheit eines Sprachmodells; oft ein Wortteil, nicht ein Wort.
ParameterDie einstellbaren Zahlen im Netz — die Stellschrauben, die beim Training justiert werden.
LLM2018Großes Sprachmodell: Transformer, trainiert auf Vorhersage des nächsten Tokens.
RLHF2022Nachtraining anhand menschlicher Präferenzen — macht aus dem Textvervollständiger einen Assistenten.
HalluzinationFlüssig formulierte, sachlich falsche Ausgabe — Nebenprodukt derselben Wahrscheinlichkeitsrechnerei.
Generative KI2014 →Modelle, die neue Inhalte erzeugen statt nur zu klassifizieren.
Agent2023 →Sprachmodell mit Werkzeugzugriff, das mehrstufige Aufgaben selbstständig abarbeitet.
Reinforcement Learning1980erLernen aus Belohnung statt aus Etiketten — Grundlage von AlphaGo und des heutigen Nachtrainings.
Mixture of Experts2017 →Modell aus vielen Teilnetzen, von denen pro Anfrage nur wenige rechnen: mehr Wissen bei gleicher Rechenzeit.
Offene GewichteModell zum Herunterladen und Selbstbetreiben. Nicht dasselbe wie quelloffen — Trainingsdaten und Trainingscode fehlen meist.
VLA-Modell2022 →Vision-Language-Action: erzeugt aus Kamerabild und Auftrag direkt Bewegungsbefehle.
Weltmodell2018 →System, das vorhersagt, wie eine Szene weitergeht — Übungsgelände für Roboter ohne Hardware.
Moravecs Paradox1988Was Menschen leichtfällt (greifen, gehen), fällt Maschinen schwer — und umgekehrt.

Zahlen, die sitzen

Deep Blue

200 Mio.

bewertete Stellungen pro Sekunde, 1997 — auf Spezialchips.

Go

10170

legale Stellungen. Atome im beobachtbaren Universum: rund 1080.

AlexNet

26 % → 15 %

Fehlerquote bei ImageNet in einem einzigen Jahr, 2012.

AlphaFold

200 Mio.

vorhergesagte Proteinstrukturen in der offenen Datenbank.

ChatGPT

2 Monate

bis 100 Mio. Nutzer, ab dem 30. November 2022.

Winter

13 Jahre

Förderflaute insgesamt: 1974–1980 und 1987–1993.

Zeithorizont

Faktor 5

um so viel fällt er, wenn man statt 50 % eine Trefferquote von 80 % verlangt.

AlphaGo Zero

100 : 0

gegen die Version, die Lee Sedol schlug — nach drei Tagen ohne menschliche Partien.